Die Inter-Asso

Ein Vorhaben des 21. Jahrhunderts ist die internationale Zusammenarbeit zur Erforschung und zur juristischen Beurteilung der Verbrechen des Kommunismus.

Der Zusammenbruch des Weltkommunismus ließ die Mehrheit glauben, dass die Gesellschaft, befreit vom kommunistischen Zwang, mit voller Kraft zu Fortschritt und Prosperität schreiten werde. Es schien, als ob es keine Hürden mehr zu Freiheit und Wohlstand gäbe. Dem war leider nicht so. Bald wurden sie mit Enttäuschungen konfrontiert. Sie mussten sich davon überzeugen, dass mehr als ein halbes Jahrhundert kommunistischer Herrschaft negative und dauerhafte Folgen auf politischem, ökonomischem, kulturellem und moralischem Gebiet hinterlassen hat.

Zur Zeit des zusammenbrechenden Kommunismus erfuhr die Öffentlichkeit täglich neue Einzelheiten über die Größe und Brutalität der kommunistischen Verbrechen. Augenzeugen von Gemetzeln und Tötungen meldeten sich, man entdeckte Massengräber. Politische Gefangene berichteten von ihren Leiden und von den Gräueln in den kommunistischen Gefängnissen. Obwohl es keine Feststellung der persönlichen Verantwortung gab, wurden dadurch die Träger der kommunistischen Ideologie öffentlich gebrandmarkt.

Die Verfolgungen beschränkten sich nicht auf bestimmte Länder mögen jedoch in diesem oder jenem Land unterschiedlich stark und zeitlich unterschiedlich groß gewesen sein: sie waren aber ständig vorhanden, weil es ein systembedingtes totalitäres Phänomen mit Millionen Opfern von der Ukraine bis Kambodscha, von den baltischen Staaten bis Adria war.

Alle diese Opfer waren Opfer eines systemimmanenten Massenmordes und befürchten, dass es eine Tendenz gibt, dass diese Verbrechen nicht bestraft werden und dass Verbrecher, die nicht bestraft werden, zu Wiederholungen neigen. Um keine Wiedergeburt des Kommunismus in Europa oder in der Welt zuzulassen, müssen wir ihm diesen Vorteil nehmen, das heißt, ihn international strafrechtlich aburteilen. Auch darin sehen wir die Aufgabe unserer internationalen Assoziation.

Als vor mehr als zwei Jahrzehnt der Berlinermauer fiel, das Sowjetimperium mit seinem kommunistischen Satelliten zusammenbrach machten die befreiten Staaten und Völker in Ostmitteleuropa zaghafte Schritte hin zu demokratischen Gesellschaftsformen, bildeten sich auch Zusammenschlüsse der Opfer dieser kommunistischen Diktaturen. Die Opfer hatten (und haben zum Teil auch heute noch) mit politischen Schwierigkeiten zu kämpfen. In vielen Ländern forderten die Opfer einen Aktenzugang zu ihren Akten und eine Aufarbeitung dieser totalitären Periode und damit die Wiedergabe der Ehre an die toten und lebenden die Opfer der ideologisch motivierten Verfolgung durch die kommunistischen Regierungen waren. Alte kommunistische Strukturen bestanden und bestehen zum Teil auch heute noch weiter. Obwohl es wichtiger ist, den Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen, als den Persönlichkeitsschutz der Täter abzusichern oft wird die Absicherung des Persönlichkeitsschutzes des Täters gegenüber dem Persönlichkeitsrecht des Opfers bevorzugt. Gesellschaftliche Gruppierungen und staatliche Gremien wollten sich nicht mit dem für sie unangenehmen Problem der Rehabilitierung, Entschädigung oder gar Bestrafung der Täter befassen. Deshalb suchen die Opferverbände der einzelnen Länder Kontakte zu entsprechenden Gruppen, um Erfahrungen auszutauschen.

Finanzielle und technische Schwierigkeiten beschränkten diese notwendigen Verbindungen. Hinzu kamen naturgemäß sprachliche Schwierigkeiten. Die sich anbahnenden bilateralen Kontakte waren mit finanziellen Opfern der Gruppen und einzelner Mitglieder verbunden. Dabei halfen allmählich Opferverbände, die in ihren Heimatländern Anerkennung und bessere Arbeitsmöglichkeiten gefunden hatten. Die Kongresse in Ungarn (1991), Rumänien (1993) Kroatien (1996), Tschechien (1997), Deutschland (1998) förderten das gegenseitige Kennenlernen und den Austausch von Erfahrungen, so dass es zur Gründung eines internationalen Zusammenschlusses kam, der aber, nicht zuletzt wegen des Boykotts durch alte Kader in den Medien der verschiedenen Länder, und wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht jene Aufmerksamkeit erreichen konnte, die für die Opfergruppierungen der nationalsozialistischen Verfolgung selbstverständlich sind. Allein die territoriale Ausdehnung von Estland bis nach Albanien lässt die Schwierigkeiten für Reisekosten und die sprachlichen und mentalen Kontakte bei Zusammenkünften erkennen.

Gerade die wichtigen persönlichen Kontakte und der Austausch von Erfahrungen ließen und lassen sich nicht durch technische Möglichkeiten überbrücken oder ersetzen. Ein Durchbruch in der dringend notwendigen internationalen Zusammenarbeit der Verbände war der Berliner Kongress der 1998 stattfand und an dem Delegierten von 16 Opferverbänden und einigen Gästen aus allen ostmitteleuropäischen Ländern, die unter der kommunistischen Diktatur gelitten hatten, einschließlich russischer Vertreter teilgenommen haben. Die Inter-Asso wurde ordentlich beim Amtsgericht in Berlin registriert, eine Satzung wurde erarbeitet sowie ein Sekretariat bestimmt, das von dem kroatischen Verband in Zagreb unterhalten wird.

Forderungen, wie sie und ihre wenigstens partielle Befriedigung für die Opfer der anderen großen Diktatur des zwanzigsten Jahrhunderts in Europa selbstverständlich geworden sind: Anerkennung der Leiden der Opfer, Entschädigung für ihre Leiden, Öffnung der Archive der Geheimdienste zur Erforschung und Beschreibung der politischen Verfolgung während der kommunistischen Diktatur und nicht zuletzt Bestrafung der Täter.

Diesen Zielen wird sich die internationale Vereinigung auch weiterhin verstärkt widmen.